Good Bye Bremen

Bremen meine Heimat. Meine Quelle der Inspiration. Mein Herz und Seele.

Wie das so im Leben manchmal geschieht, musste auch ich meine Wahlheimat verlassen. Mein Mann hat 2015 eine super Stelle in Kiel angeboten bekommen und so fingt die Geschichte des Abschieds nehmen an. Wir haben fast zwei Jahre mit einer Wochenendbeziehung versucht. Uns war von Anfang an klar, dass wir keine Typen für so ein Leben sind, aber wir wollten es wenigstens versuchen.

Nach einem Jahr haben wir angefangen nach Wohnungen in Kiel Ausschau zu halten… Die Geschichte kann sich jeder, der in der letzten Zeit versucht hat eine Wohnung zu finden, zu Ende dichten. Nach einem Jahr hatten wir sie – eine 3 Zimmer Altbauwohnung mit Potenzial 😉 Wir haben zugeschlagen!

Und obwohl mein Abschied von Bremen mit der Wohnungssuche angefangen hat, traf mich die Tatsache, dass ich alles was ich hier habe, verlassen muss, wie ein brutaler Schlag ins Gesicht.

Die Stadt, die perfekte, zu kleine Wohnung, meinen Job, und das aller Wichtigste in meinem Leben… Meinen Mittelpunkt – meine Leute und meine beste Freundin.

Mein erster Gedanke war: schade, dass ich die Fähigkeiten von Flash nicht besitze. Ich könnte immer noch im Bremen Wohnen und pünktlich zu Feierabend bei meinem Mann in Kiel sein.   Der zweite Gedanke war: Moment… Wieso kann mein Mann nicht Flash sein, dann könnten wir beide in Bremen bleiben und er könnte nach Feierabend nach Hause kommen. So fantastisch ist mein Gehirn, wenn er keinen zufriedenstellenden Ausweg finden kann, es überlegt sich Superhelden Geschichten und lebt im Wunderland. Na toll!!!

Irgendwie haben wir alle bis zu dem Umzugstag geschafft  die Tatsache zu verdrängen, dass wir weg ziehen. Mit dem Ergebnis, dass die letzten zwei Wochen pure Folter waren. Und dann waren wir weg.

Im Schockzustand und mit Tunnelblick habe ich es geschafft alles zu überstehen.

Und jetzt fehlt mir der Alltag und der Austausch mit meinen Freunden. Natürlich gibt es Telefone und Skype usw. Aber mal eben Kaffe trinken gehen oder bei meiner besten Freundin vorbeischauen und zusammen was bastelln, ist nicht mehr:-(

Also habe ich alle Systeme runter gefahren und versuche mit einem Neustart.

 

 

Mein Bremen…

 

Vorhang auf für Theater mit Popcorn

Gestern kam ich in den Genuss eines Theaterstücks… Und ich habe es gemütlich im Kino gesehen – mit Popcorn und allem was dazu gehört. Es war eine spannende Erfahrung. Natürlich fiel der „Bühne“ die Tiefe, aber gestern war ich mal eben in London in National Theatre und habe Frankenstein in traumhafter Besetzung gesehen. Ich habe mich schon lange auf dieses Ereignis gefreut (die Karte habe ich vor zwei Monaten besorgt) und ich muss sagen: ich werde es noch mal tun! Obwohl die Bühne fehlte und man das ganze Spektakel auf einer Leinwand sah, war die Dramatik und die großartige Atmosphäre vorhanden und ich hatte das Gefühl, ich habe den besten Platz! 🙂

Die beiden Hauptdarsteller haben beide Rollen gelernt – die der Victor Frankenstein und die der Kreatur. Ich habe die Version mit Benedict Cumberbatch als the Creature und Jonny Lee Miller als Victor Frankenstein gesehen.

 

One line a day

Wieder mal ein Tagebuch führen… wie gerne ich auf die Zeit zurückblicke, wo ich noch für so was schönes Zeit hatte. Nach einer langen Pause hat die Sehnsucht gewonnen (zum Glück)! Lange gesucht und dank Flow Magazin das Perfekte für mich gefunden – ein „One line a day“ ( a five-years memory book). Das Buch ist sehr simpel aufgebaut: jeder Tag ist oben ausgeschrieben und drunter ergänzt man das Jahr und schreibt drauf los. Und so, nach fünf Jahren hat man auf einer einzigen Seite Gedanken und Ereignisse, die einen die letzten Jahren begleitet haben. Erstmal war ich total begeistert nur eine Zeile/einen Satz pro Tag zu schreiben: „Das schaffe ich!“, sagte ich mir total motiviert. Denkste… Einen Tag im einen Satz zu pressen erfordert viel mehr Zeit als eine volle Seite mit meinen Gedanken vollzukritzeln. Tja, ich bin eben ein Denker-Philosoph 😉 ich habe trotzdem die Herausforderung angenommen und mich der Challenge gestellt. Von anfänglicher Panik ist nach zwei Wochen keine Spur mehr zu sehen und ich habe beobachtet, dass ich abends, wenn ich meine Tagebuch-Zeit habe, mich total entspanne und runter komme. Ein fast meditatives Ereignis. Ein neues Ritual. Ich bin gespannt wie mein Leben und meine Gedanken sich in den nächsten 5 Jahren so machen und entwickeln.

Ja, ich habe jetzt auch einen 5-Jahres-Plan 🙂 Zwar einen Plan ohne Ziel, aber ist der Weg nicht das Ziel? Ich bin auf diese Reise total gespannt.

Endlich wieder Flohmarkt!!!

Ich liebe Flohmärkte! Für mich sind sie die perfekte Mischung aus alt und neu, kitschig und praktisch, aus „Schau mal das hatte ich früher auch“ und „Das wollte ich schon immer haben“. Ich bin eine Flohmarkt Liebhaberin, nicht nur der Schnäppchen wegen. Ich liebe die Atmosphäre, die dort herrscht. Als würde man in eine andere Welt eintauchen. Und am liebsten mag ich die Stände, die Geschichte verkaufen: alte Bücher, Porzellan, alte Fotos und Postkarten, Bilder… Ah… es gibt so viel zu entdecken.

Und hier meine heutige Ausbeute: Zwei tolle Bücher (Die schönsten Blumen und Früchte mit wundervollen Zeichnungen, die ich bestimmt auch gut zum Basteln verwenden kann. Dieses Buch habe ich online für ca. 50 Euro gefunden. Meins hat 18 gekostet:-) und Edgar Allan Poe – es sind seine Gedichte auf englisch und deutsch, und biographisches. Das Buch ist 1968 im Athenäum Verlag erschienen. Je nach Zustand für zwischen 8-14 Euro online erhältlich. Meins ist in einem super Zustand und ich habe nur 2 Euro bezahlt!!!) und ein 100 Jahre alte Schraubzwinge, die ich zu einem Bücherhalter umfunktioniert habe. Großartig!!!

Es war einer der perfekten Sonntage, die ich so liebe und vermisst habe.

WORLD PRESS PHOTO 15

Unfassbar gut, ergreifend, unendlich traurig, ernüchternd und schockierend. Das sind die Adjektive, die mir spontan zu dieser Fotoausstellung einfallen.

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Ich sitze in einem tollen Café, das immer wieder meine Laune hebt, wenn ich in Oldenburg bin – heute schafft dieser besondere Ort es nicht. Es ist offensichtlich zu viel von einem Café verlangt. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Selbst der leckere Keks bleibt neben meinem Glas liegen.

Ich sitze mit einem Stift in der Hand und versuche meine Gedanken zu fassen…

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Ich wusste, dass es keine „gute Laune“ Aufnahmen sind. Aber, dass die Bilder mich so treffen und so sehr nachdenklich und traurig stimmen würden, habe ich nicht erwartet.

Nach einer Möglichkeit mich hinzusetzen, um die Fotos in Ruhe zu betrachten, suche ich vergeblich. Nachhinein weiß ich warum – man würde in die Bilder so tief eintauchen, dass man keine Kraft mehr aufbringen würde um aufzustehen. Das Risiko einer Depression inklusive.

Eine einzige Bank steht vor einer Aufnahme, die einen Viehmarkt im Wald, in der Nähe eines chinesischen Dorfes zeigt. Ein Bild aus einer Vogelperspektive, wo manche Tiere und Gestalten verschwommen sind. „Um nicht auf die Missstände aufmerksam zu machen?“ – frage ich mich. Natürlich nicht, aber erster Eindruck zählt… oder wie war das?

Krieg. Hass. Hinrichtung. Missachtung – das alles sehe ich. Mittendrin ein Bild einer Frau aus China, die von der Polizei, unter dem Verdacht der Prostitution auf einem Metallstuhl angekettet, resigniert sitzt. „Anwohner hatten sich beschwert, weil Ihnen Werbung von Prostitution unter der Tür durchgeschoben wurde. In China ist Prostitution illegal.“ steht auf der Tafel neben der Aufnahme. Ich stehe schockiert vor dem Foto und stelle mir alles bildlich vor. Ein Fehler – ich tauche mit meinen Gedanken in eine Welt, wo ich nicht sein möchte. Zum Glück kommen andere Besucher in meine Richtung und wollen diese Aufnahme sehen. Ich mache Platz und beobachte sie. Ich versuche zu entziffern, was sie für Meinungen haben… Ich gehe weiter. „Nicht, dass ich noch verhaftet werde, weil ich zu lange zugeschaut habe. Gut, dass ich nicht in China lebe…“ – ich reiße mich selbst aus meinen Gedanken.

WORLD PRESS PHOTO 15 Ein Bild von Liu Song

WORLD PRESS PHOTO 15 Ein Bild von Liu Song

Natürlich gibt es auch andere Fotos, die Sportereignisse oder Natur in ihrer wundervollen Form zeigen. Aber jedem bleibt was anderes im Gedächtnis hängen.

Ich muss die Ausstellung mit einem professionellen Blick betrachten: Die Aufnahmen sind grandios! Wenn man die Situation, in der sie gemacht worden sind, nicht außer Acht lässt – sind das besondere Kunstwerke, die Mut und ein begnadetes Auge des Autors verlangt haben, um den Betrachter nachhinein so (mit der entstandenen Szene) umzuhauen.

Ein Ausschnitt aus den RadioBremen Nachrichten

WORLD PRESS PHOTO 15 Austellung